Wiederherstellung nach einem Cyberangriff: Die Rolle der Forensiker


Ein Cyberangriff kann jedes Unternehmen oder jede Institution treffen, doch besonders sensible Einrichtungen wie Krankenhäuser sind potenzielle Ziele für Erpresser. Nach einem solchen Angriff kommt es auf schnelle und effektive Wiederherstellungsmaßnahmen an. Hier spielt die Cyber Forensik eine entscheidende Rolle. Doch was genau machen Forensiker in solchen Fällen? Welche Voraussetzungen benötigen sie, und wie sollte man mit den Erpressern kommunizieren? In diesem Beitrag beleuchten wir diese Fragen ausführlich und geben praktische Tipps.

Die Aufgabe der Forensiker

Forensiker sind die digitalen Detektive in der Cyberwelt. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, die Ursprünge eines Cyberangriffs zu identifizieren, den Schaden zu bewerten und Wege zur Wiederherstellung zu finden. Im Detail bedeutet das:

  1. Untersuchung und Analyse: Die Forensiker analysieren die betroffenen Systeme, um herauszufinden, wie der Angriff stattgefunden hat und welche Schwachstellen ausgenutzt wurden.
  2. Datensicherung: Sie sorgen dafür, dass alle relevanten Daten gesichert werden, um den Angriff nachvollziehen zu können.
  3. Beweissicherung: Wichtig ist auch die Sicherstellung von Beweismaterial, das später vor Gericht verwendet werden kann.
  4. Schadensbewertung: Die Experten bewerten das Ausmaß des Schadens und die betroffenen Bereiche.
  5. Wiederherstellung: Schließlich leiten sie Maßnahmen zur Wiederherstellung der Systeme ein und geben Empfehlungen zur Verbesserung der Sicherheitsvorkehrungen.

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Forensik

Damit Forensiker effektiv arbeiten können, benötigen sie bestimmte Voraussetzungen. Eine der wichtigsten ist die Verfügbarkeit von qualitativ hochwertigen Log-Files. Diese Protokolle zeichnen alle Aktivitäten im Netzwerk auf und sind essenziell, um den Angriffsweg nachzuvollziehen.

Wie sollten diese Log-Files aussehen?

  • Umfassend: Sie sollten alle relevanten Aktivitäten umfassen, einschließlich Benutzeranmeldungen, Dateiänderungen und Netzwerkzugriffe.
  • Zeitgestempelt: Jede Aktivität muss mit einem genauen Zeitstempel versehen sein, um die zeitliche Abfolge rekonstruieren zu können.
  • Unveränderlich: Log-Files sollten manipulationssicher gespeichert werden, um ihre Integrität zu gewährleisten.
  • Zentralisiert: Eine zentrale Speicherung der Log-Files erleichtert die Analyse und verhindert Datenverlust.

Zusätzlich ist es für die forensische Analyse essenziell, eine 1-zu-1-Kopie der betroffenen Systeme zu erstellen. Diese exakte Duplikation ermöglicht es, die Analyse durchzuführen, ohne die Originaldaten zu verändern oder weitere Schäden zu verursachen.

Ein besonders kritisches Szenario tritt ein, wenn die Angreifer neben den Backups auch die Log-Files verschlüsseln. Dies stellt einen Super-GAU (größter anzunehmender Unfall) dar, da dadurch sowohl die Wiederherstellung als auch die Nachverfolgung des Angriffs erheblich erschwert werden.

Meldewege und Zusammenarbeit mit Behörden

Insbesondere in sensiblen Bereichen wie Krankenhäusern ist es wichtig, Cyberangriffe unverzüglich den zuständigen Behörden zu melden. Hierzu gibt es oft gesetzliche Vorgaben und festgelegte Meldewege:

  1. Interne Meldung: Der Vorfall sollte zunächst intern an die IT-Abteilung und das Management gemeldet werden.
  2. Behördliche Meldung: Anschließend muss der Vorfall den zuständigen Datenschutzbehörden und gegebenenfalls dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) gemeldet werden.
  3. Strafverfolgung: In vielen Fällen ist auch eine Anzeige bei der Polizei notwendig, um strafrechtliche Ermittlungen einzuleiten.

Eine klare und schnelle Kommunikation mit den Behörden ist hierbei entscheidend, um den Angriff effektiv zu bekämpfen und rechtliche Konsequenzen vorzubereiten.

Vorgehen der Forensiker bei der Wiederherstellung

Nach einem Angriff stellt sich die Frage: Sollen die Systeme heruntergefahren oder nur vom Netz genommen werden? Hier gibt es keine allgemeingültige Antwort, da dies stark vom spezifischen Fall abhängt. Grundsätzlich sind folgende Schritte ratsam:

  1. Isolierung: Zunächst sollten betroffene Systeme vom Netzwerk getrennt werden, um eine weitere Ausbreitung des Angriffs zu verhindern.
  2. Datensicherung: Danach sichern die Forensiker alle relevanten Daten und Logs, bevor weitere Maßnahmen ergriffen werden.
  3. Analyse: Die Systeme werden analysiert, um den Angriffspfad und das Ausmaß des Schadens zu verstehen.
  4. Bereinigung: Schadsoftware und kompromittierte Daten werden entfernt.
  5. Wiederherstellung: Abschließend erfolgt die Wiederherstellung der Systeme aus Backups oder durch Neuaufsetzung.

Kommunikation mit den Erpressern

Ein heikler Punkt ist die Kommunikation mit den Erpressern. Grundsätzlich gilt: Keine eigenmächtigen Verhandlungen! Stattdessen sollte man folgende Schritte beachten:

  1. Spezialisten hinzuziehen: Experten für Krisenkommunikation und Cybererpressung können helfen, die richtige Strategie zu finden.
  2. Keine Zahlungen ohne Absprache: Lösegeldzahlungen sollten nur in Absprache mit den Behörden und den Forensikern erfolgen, da sie oft keine Garantie für die Wiederherstellung bieten.
  3. Beweissicherung: Alle Nachrichten und Forderungen der Erpresser sollten dokumentiert und den Ermittlungsbehörden zur Verfügung gestellt werden.

Ein Cyberangriff ist ein stressiges und oft traumatisches Erlebnis für jedes Unternehmen oder jede Institution. Die richtigen Maßnahmen und die Zusammenarbeit mit erfahrenen Forensikern können jedoch dazu beitragen, den Schaden zu minimieren und die Systeme wiederherzustellen. Wichtig ist, dass man ruhig bleibt, klare Meldewege einhält und keine überstürzten Entscheidungen trifft – besonders nicht in der Kommunikation mit den Erpressern. Mit einer guten Vorbereitung und der richtigen Unterstützung können auch solche Krisen gemeistert werden.

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